Hofgeschichte

Liebe Leserinnen und Leser,

dieser Hof, gelegen in Westmecklenburg im Herzen der sogenannten “Griesen Gegend”, umgeben von Wald und in völliger Alleinlage, findet bereits im 13. Jahrhundert erstmals Erwähnung. Die Ziegel zum Bau der alten Kirche in Alt-Jabel wurden hier gebrannt. Ein miozäner Ton liegt hier so günstig und von guter Qualität, dass man ihn ohne viel Abraum beseitigen zu müssen abbauen konnte. Der Hof wurde offensichtlich seit dieser Zeit als Ziegelei mit angeschlossener Landwirtschaft betrieben.

Bis 1895 war es ein Erbpachthof des Großherzogs von Mecklenburg. Unsere Familie betreibt diesen Hof seit 1901, zunächst mein Großvater, Detlof Döscher, danach mein Vater, Friedrich “Fritz” Döscher, von 1917 bis 1967. Ab 1967 übernahm nach dem Tode meines Vaters ich, Fritz Döscher, die Bewirtschaftung des Hofes und der Ziegelei. Die zum Hof gehörenden Ackerflächen waren zu dieser Zeit allerdings bereits durch die LPG übernommen worden. Die sehr veraltete Ziegelei wurde durch uns 1969 um ein Sägewerk erweitert. Letzteres lief nach 2 Jahren bereits wirtschaftlich so gut wie die Ziegelei.


Mit der letzten Enteignungswelle wurden beide Betriebe 1972 in Volkseigentum überführt, so dass ein Teil des Hofes (ca. 4,5 Hektar) uns nicht mehr gehörte. Die Ziegelei wurde bald darauf stillgelegt und verfiel.

Nach 10 zum Teil recht merkwürdigen volkseigenen “Wander”arbeitsjahren – zuletzt als Produktionsdirektor im Ziegelkombinat Malliß – machten wir, d.h. meine Frau Christl, meine Mutter Maria Döscher (†2009) und ich, uns selbstständig mit einer Töpferei. Wir hatten wenig gute Voraussetzungen für unser Vorhaben. Zunächst hatten wir keinen Töpferton, keine Glasuren, keinen Brennofen und dazu noch reichlich wenig Ahnung vom handwerklichen Geschick eines Töpfers.

Wir begannen einen Weg zu gehen, dessen Richtung und Ziel wir nicht genau kannten – blieben jedoch stets in Bewegung. So entstand in relativ kurzer Zeit in unserer baufälligen Scheune eine Töpferei, die 1989 mit 5 Personen betrieben wurde und in der jeden Tag 3 Brennöfen liefen.

Nach der Wiedervereinigung hatten wir zunächst erhebliche Probleme unseren Betrieb zu erhalten. Offensichtlich hatten wir über 40 Jahre in der DDR das verkehrte Fach studiert – nämlich “Beschaffung“. Wie mühsam und manchmal unmöglich war es zu dieser Zeit, Rohstoffe und Werkzeuge für die Töpferei zu organisieren. Um den Absatz unserer Produkte brauchten wir uns hingegen nie zu Sorgen. Dieses Verhältnis kehrte sich schlagartig um: “Verkauf“ war angesagt! So holten wir uns Kenntnisse auf diesem Gebiet durch die Teilnahme an Messen in Lüneburg, Lübeck, Jesteburg und Ahrensburg. Mit dem Café schufen wir uns ein zusätzliches Standbein und legten so den Grundstein für den Töpferhof als bekanntes und beliebtes Ausflugsziel in der Region.

Heute arbeiten wir auf dem Hof mit 8 Angestellten bzw. Familienangehörigen und betreiben weiterhin unsere Töpferei, das Café und ein bisschen Landwirtschaft.

Nicht immer läuft alles nach Plan, aber mit Elan und Gottvertrauen gestalten wir den Töpferhof an jeden Tag neu. Und eine Gewissheit bleibt: Die Arbeit wird niemals fertig sein!

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, neugierig geworden sind, dann besuchen Sie uns mit Ihrer Familie, dem Verein, der Kirchgemeinde o. ä. Wir haben täglich geöffnet und heißen auch größere Gruppen herzlich willkommen. Gern gibt es dann zu Kaffee und Kuchen kurzweilige Anekdoten “vom Chef persönlich”, auch “up platt”.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Familie Döscher